Persischer Golf
thumb|upright=1.5|Der Persische Golf
thumb|upright=1.5|Satellitenaufnahme des Persischen Golfs
Der Persische Golf (selten auch Arabischer Golfz.B. in Knaurs Weltatlas 1988, Karte Nr. 23) ist ein etwa 1.000 km langes und 200 bis 300 km breites Binnenmeer zwischen dem Iranischen Plateau und der Arabischen Halbinsel mit einer Fläche von ca. 235.000 km².Geschichte des Persischen Golfs in der [http://www.iranica.com/articles/persian-gulf-i-in-antiquity Encyclopedia Iranica], 23. März 2005 (englisch)
Geo- und Topographie
Der Persische Golf ist ein relativ flaches Gewässer mit einer größten Tiefe von ca. 100 m. Sein Volumen beträgt ca. 6000 km³. Über die Straße von Hormus ist er mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer bzw. dem Indischen Ozean verbunden. In den Persischen Golf mündet der Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der Schatt al-Arab. Durch den geringen Süßwasserzufluss und die hohe Verdunstungsrate ist der Salzgehalt mit ca. 4 % überdurchschnittlich hoch.
Während des letzten glazialen Maximums, als weltweit der Meeresspiegel um ca. 120 m niedriger war, war der Grund des Persischen Golfes ein flaches Tal, durch welches die Flüsse Euphrat, Tigris und Karun einen gemeinsamen Abfluss zur Straße von Hormus fanden. Mit dem Einsetzen der Flandrischen Transgression vor ca. 11.000 Jahren stieg der Spiegel auf etwa heutige Verhältnisse an.
Politik und Wirtschaft
thumb|Die Anrainerstaaten des Persischen Golfes
Die Anrainerstaaten des Persischen Golfes sind (von Norden nach Süden entlang der Küste):
* {{Iran}}* {{Irak}}
* {{Kuwait}}
* {{Saudi-Arabien}}
* {{Bahrain}}
* {{Katar}}
* {{Vereinigte Arabische Emirate}} (VAE)
* {{Oman}} (Gouvernorat Musandam)
Von den acht Anrainerstaaten dieses Gewässers sind sieben Mitglieder der Arabischen Liga, das achte – und jenes mit dem längsten Küstenanteil – ist der Iran. Mit Ausnahme des Iran und des Irak bilden die anderen sechs Staaten den Golfkooperationsrat. Iran, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien sind seit 1960 Gründungsmitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), Katar (1961) und die VAE (1967) sind etwas später ebenfalls der Organisation beigetreten.
Erdöl und Erdgas
Die Region um den Persischen Golf ist wegen des Erdöl- und Erdgasreichtums von großer geopolitischer Bedeutung. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) waren 2007 Saudi-Arabien (35,9 Milliarden Tonnen), Iran (18,8 Milliarden Tonnen), Irak (15,6 Milliarden Tonnen), Kuwait (13,8 Milliarden Tonnen) und die VAE (13,3 Milliarden Tonnen) die fünf Länder mit den weltweit größten Ölreserven. Die förderfähigen Reserven wurden auf weltweit 163,5 Milliarden Tonnen geschätzt. Davon entfielen 22,0 % auf Saudi-Arabien, 11,5 % auf den Iran und 9,6 % auf den Irak.{{Literatur | Autor= | Herausgeber=Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe | Titel=Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2007 | TitelErg=Kurzstudie | Sammelwerk= | Band= | Nummer= | Auflage= | Verlag= | Ort= | Jahr=2008 | Monat= | Tag= | Kapitel= | Seiten= | Spalten= | ISBN= | ISBNistFormalFalsch= | ISSN= | Kommentar= | Originaltitel= | Originalsprache= | Übersetzer= | Online=http://web.archive.org/web/20090306211007/http://www.bgr.bund.de/cln_101/nn_322848/DE/Themen/Energie/Downloads/Energiestudie__Kurzf__2007,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Energiestudie_Kurzf_2007.pdf | DOI= | arxiv= | Zugriff=2009-05-13}} Iran (15,2 Prozent) und Katar (14,0 Prozent) besitzen zudem, nach Russland (26,1 Prozent), die größten weltweiten Reserven an Erdgas.
Aufgrund seiner wirtschaftlichen und geopolitischen Bedeutung war der Persische Golf Schauplatz der drei so genannten Golfkriege. Daneben kam und kommt es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten der Anrainerstaaten.
Schiff- und Güterverkehr
thumb|upright=1.7|Schiffsverkehr entlang der [[Tunb-Inseln]]
Frachtverkehr
Nach Informationen der United States Energy Information Administration (EIA) passieren täglich durchschnittlich 14 Tanker mit einer Gesamtfracht von etwa 17 Millionen Barrels Rohöl die Straße von Hormus. Das sind umgerechnet ca. 35 % des weltweit auf See transportierten Erdöls und etwa 20 % des weltweiten Erdölhandels.[http://www.eia.gov/todayinenergy/detail.cfm?id=4430 The Strait of Hormuz is the world's most important oil transit chokepoint], U.S. Energy Information Administration.
Navigation
Eine Besonderheit liegt bei der Navigation um die iranischen Tunb-Inseln und durch die Straße von Hormus vor. Dort werden Schiffe nach dem Traffic Separation Scheme (TSS) in inbound traffic (einfahrend) und outbound traffic (ausfahrend) aufgeteilt, um die Gefahr von Kollisionen entlang der Straße von Hormus zu reduzieren. Die betroffene Linie ist ca. 10 km breit und besteht aus zwei 3 km breiten Bahnen, jeweils eine für inbound und die andere für outbound. Die beiden Bahnen werden durch eine dritte, ebenfalls ca. 3 km breite Medianbahn voneinander getrennt.
Unfälle
Eines der bisher schwersten Schiffsunglücke im Persischen Golf ereignete sich am 8. April 1961, als der britische Kombischiff Dara vor Dubai nach einer Explosion an Bord in Flammen aufging, ausbrannte und unterging. 238 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.
Geschichte und Kultur
Die Küstenregion des Persischen Golfes gilt als eine Wiege der Zivilisation. Hier entstanden die großen Zivilisationen von Sumer, Elam, Akkad und Babylon, sowie die Weltreiche der Perser.
Der akkadische Name des persischen Golfs ist narMarratû, bitterer StromRaymond P. Dougherty, The Sealand of Arabia. Journal of the American Oriental Society 50, 1930, 4.
Benennung
{{Hauptartikel|Namensgebung des Persischen Golfes}}
Für den Persischen Golf sind international verschiedene Bezeichnungen in Gebrauch, die Bezeichnung „Persischer Golf“ ({{FaS|خليج فارس|w=chalidsch-e fārs}}) wird aber überwiegend verwendet. Diese ist seit vorchristlicher Zeit in diversen persischen und griechischen Quellen, seit der islamischen Ära auch in arabischen ({{arS|الخليج الفارسى|w=al-chalidsch al-fārsī}}) und europäischen Quellen nachzuweisen.Touraj Daryaee, The Persian Gulf Trade in Late Antiquity, Journal of World History, Vol. 14, Nr. 1., März 2003, ([http://www.historycooperative.org/journals/jwh/14.1/daryaee.html LINK]); 2007
In den arabischen (Anrainer-)Staaten hat sich jedoch seit Mitte des 20. Jahrhunderts der Neologismus „Arabischer Golf“ ({{arS|الخليج العربي|w=al-chalīdsch al-ʿarabī}}) durchgesetzt; seitdem taucht der Begriff auch vereinzelt in westlichen Medien und gedruckten Werken auf.z.B. in (1) Knaurs Weltatlas 1988, Karte Nr. 23; (2) Der Brockhaus in 15 Bänden, Artikel: Persischer Golf; (3) Meyers Lexikon - Artikel: [http://web.archive.org/web/20080101023525/http://lexikon.meyers.de/meyers/Persischer_Golf Persischer Golf] Umgangssprachlich und auch in den Medien wird häufig nur die Bezeichnung „Der Golf“ verwendet. In Deutschland war bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung „Persischer Meerbusen“ in Gebrauch. Davor war die Bezeichnung „Golf von Bassora“ (Golf von Basra) geläufig, die noch heute in der Türkei (türk. Basra Körfezi) in Gebrauch ist.Republic of Turkey Ministry of Culture and Tourism [http://www.kultur.gov.tr/EN/Genel/BelgeGoster.aspx?17A16AE30572D3130239EEA0FCDF038BE44CCCAB770BED25 „İstanbul before the Roman Era“] Auf alten deutschen Karten wird der Golf zuweilen „Grünes Meer“ genannt.z. B. in Gustav Droysens Allgemeiner historischer Handatlas in 96 Karten mit erläuterndem Text (1886), siehe Datei:Arabische Eroberung 2.jpg Im Persischen war früher auch die Bezeichnung „Golf des Dscham“ (benannt nach Dschamschid aus der iranischen Mythologie) verbreitet.Working Paper mit den Argumenten der iranischen UNGEGN-Delegation, 2006 ([http://unstats.un.org/unsd/geoinfo/gegn23wp61.pdf]); 2007 Die Internationale Hydrographische Organisation (IHO) benutzt seit 1953 offiziell die Bezeichnung „Golf von Iran“.{{cite web|url=http://www.iho-ohi.net/iho_pubs/standard/S-23/S23_1953.pdf|title=Limits of Oceans and Seas, 3rd edition|year=1953|publisher=International Hydrographic Organization|accessdate=6 February 2010}}
Die Frage der Benennung wird in manchen Staaten politisch geführt und sorgte wiederholt für diplomatische Auseinandersetzungen, insbesondere zwischen dem Iran und den arabischen Staaten.[http://www.worldpress.org/Mideast/2616.cfm Omission of 'Persian Gulf' Name Angers Iran], worldpress.org[http://www.rferl.org/content/Article/1073197.html Louvre's 'Gulf' Move Draws Iranian Ire], Radio Free Europe, 4. Dezember 2006 Auch die Vereinten Nationen mussten sich mehrfach mit dieser Frage auseinandersetzen. 2006 stellte eine ihrer Expertengruppen in diesem Zusammenhang fest, dass die Vereinten Nationen intern an der Bezeichnung „Persischer Golf“ festhalten[http://www.worldpress.org/Mideast/2616.cfm Omission of 'Persian Gulf' Name Angers Iran]
[http://www.un.org/depts/dhl/maplib/docs/escwa.pdf] [http://www.un.org/Depts/Cartographic/map/profile/iran.pdf] [http://www.un.org/Depts/Cartographic/map/profile/westasia.pdf]
, es aber „Staaten nicht verboten werden kann, Exonyme“ für geographische Namen „zu schaffen und zu verwenden“.[http://unstats.un.org/unsd/geoinfo/GEGN-23-English.pdf Report of the United Nations Group of Experts on Geographical Names on the work of its twenty-third session. Document E/2006/57, Economic and Social Council, United Nations. New York, 2006][http://unstats.un.org/unsd/geoinfo/GEGN-23-English.pdf Report of the United Nations Group of Experts on Geographical Names on the work of its twenty-third session, Wien, 2006, S. 21]Einzelnachweise
Literatur
* Hans Krech Von der Dhau zur Stealth-Fregatte: Zur Geschichte und aktuellen Situation der Seestreitkräfte am Persischen Golf, Berlin 2003, ISBN 3-89574-495-6
* Heinrich Lieser, Lukas Rölli-Alkemper Wirtschaftsraum Arabischer Golf: Neue Möglichkeiten für deutsche Unternehmen in den Golfstaaten, 1995, ISBN 3-925925-74-0
* Michaela Wimmer, Stefan Braun, Hannes Enzmann Brennpunkt Golf: Hintergründe, Geschichte, Analysen, München 1991, ISBN 3-453-05201-3
Weblinks
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Kategorie:Meer (Indischer Ozean)
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